Arbeit | Veränderung | Zukunft | Bestand

Michael Haas

Michael Haas

Lei­ter des Geschäfts­be­reichs Pfle­ge & Leben bei der Dia­ko­nie Stif­tung Salem

Über die Diakonie Stiftung Salem als Arbeitgeber

Die Fach­kräf­te­si­che­rung ist in vie­len Bran­chen ein zen­tra­les The­ma. Nicht nur Pfle­ge­kräf­te, auch Erzieher(innen) und Sozi­al­päd­ago­gen sind gefrag­te Mit­ar­bei­ten­de in der Sozi­al­bran­che. Aus­zu­bil­den­de unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen sind zudem wich­tig für die Zukunfts­fä­hig­keit von Unter­neh­men.

Die Dia­ko­nie Stif­tung Salem beschäf­tigt sich inten­siv mit den The­men „Arbeit, Ver­än­de­rung und Zukunft“, um als Arbeit­ge­ber heu­te inter­es­sant zu sein und in Zukunft zu blei­ben.

Micha­el Haas, Lei­ter des Geschäfts­be­reichs Pfle­ge & Leben, berich­tet im Inter­view über not­we­ni­ge Ver­än­de­run­gen und bestän­di­ge Wer­te in einem Unter­neh­men, das auf mehr als 150 Jah­re Unter­neh­mens­ge­schich­te zurück­bli­cken kann.

Stichwort „Veränderung“: Was verändert sich gerade in der Diakonie Stiftung Salem?

Micha­el Haas: Vie­les. Unse­re Mit­ar­bei­ten­den sind der Antrieb der Ver­än­de­rung. Mit­ar­bei­ten­de wis­sen genau, was in der Pra­xis gut funk­tio­niert und was nicht. Die­se Impul­se neh­men wir wahr und schät­zen wir wert. Dar­aus ent­wi­ckeln sich oft kon­kre­te Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge und gute Ide­en blei­ben nicht nur Ide­en, son­dern wer­den umge­setzt. Damit akti­ve Mit­ein­be­zie­hung der Mit­ar­bei­ten­den funk­tio­niert, haben wir in den letz­ten 12 Mona­ten Pro­zes­se und Struk­tu­ren im Unter­neh­men ange­passt. Ers­te posi­ti­ve Effek­te zei­gen sich und wir neh­men wahr, dass die Mit­ge­stal­tung von Ver­än­de­rung zu mehr Zufrie­den­heit bei den Mit­ar­bei­ten­den führt.

Was macht aus Ihrer Sicht Mitarbeitende zufrieden?

Micha­el Haas: Mit­wir­kung ist ein wich­ti­ger Aspekt. Wenn man mit sei­nem beruf­li­chen Han­deln etwas zum Posi­ti­ven ver­än­dern kann, dann fühlt sich das gut an. Was jeman­den in sei­nem Job dar­über hin­aus glück­lich macht, das ist aller­dings sehr indi­vi­du­ell. Eini­ge Men­schen lie­ben die Her­aus­for­de­rung, da darf kein Tag dem ande­ren glei­chen. Ande­re möch­ten sich in ihrem Bereich immer wei­ter spe­zia­li­sie­ren und fin­den es super, wenn sie sich Exper­ten­wis­sen aneig­nen kön­nen. Dann gibt es Men­schen, die begeis­tert es, wenn sie sich für ande­re Men­schen ein­set­zen kön­nen. Unser Anspruch ist es, unse­ren Mit­ar­bei­ten­den unter­schied­lichs­te beruf­li­chen Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten zu eröff­nen.

Apropos berufliche Entwicklungsmöglichkeiten: Mit dem Pflegeberufegesetz ändert sich ab 2020 die Ausbildung für angehende Pflegekräfte grundlegend. Ein lang ersehnter Schritt in die richtige Richtung?

Micha­el Haas: Auf jeden Fall. Das neue Gesetz sieht vor, dass die bis­he­ri­gen Aus­bil­dungs­gän­ge zum Alten­pfle­ger, Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ger bezie­hungs­wei­se zum Gesund­heits- und Kin­der­kran­ken­pfle­ger ab 2020 durch einen neu­en Aus­bil­dungs­gang ersetzt wer­den. Absol­ven­ten erwer­ben damit den Abschluss als Pfle­ge­fach­mann oder Pfle­ge­fach­frau, der euro­pa­weit aner­kannt ist. Doch auch inner­halb die­ses gene­ra­li­sier­ten Aus­bil­dungs­gan­ges wird es Schwer­punkt­set­zun­gen geben. Aus­zu­bil­den­de wäh­len zwi­schen den drei Schwer­punk­ten Lang­zeit­pfle­ge (stationär)/Akut- und Lang­zeit­pfle­ge (ambu­lant), Sta­tio­nä­re Akut­ver­sor­gung (Kran­ken­haus) und set­zen so inhalt­lich Akzen­te.

Warum ist die Wahl des Schwerpunktes aus Ihrer Sicht wichtig?

Micha­el Haas: Es ist ein Unter­schied, ob ich im Kran­ken­haus oder in einem ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst bzw. einer sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tung arbei­te. Die Aus­rich­tung und die Ziel­set­zung bei­der Ein­rich­tun­gen sind anders. Die Orga­ni­sa­ti­on im Kran­ken­haus folgt streng den Regeln eines an Effi­zi­enz aus­ge­rich­te­ten Gesund­heits­kon­zerns. Im Kran­ken­haus liegt die durch­schnitt­li­che Ver­weil­dau­er eines Pati­en­ten in Deutsch­land bei etwa 5 Tagen. Pro­zes­se wer­den solan­ge opti­miert, bis „der kran­ke Mensch“ mög­lichst schnell wie­der aus der Kli­nik ent­las­sen wer­den kann, um Res­sour­cen zu spa­ren. Ziel ist die Gene­sung. Auf Eng­lisch „to cure“, was für hei­len oder kurie­ren steht. Daher domi­niert auch die Medi­zin die Arbeits­wei­se in den Kli­ni­ken, was nach­voll­zieh­bar not­wen­dig ist. In Pfle­ge­ein­rich­tun­gen steht das „sich um Men­schen küm­mern“ im Fokus. Im Eng­li­schen aus­ge­drückt mit „to care“. Und „to care“ bedeu­tet sor­gen, bei­ste­hen und betreu­en.

Unab­hän­gig von den rea­len Anfor­de­run­gen und Schwer­punk­ten des spä­te­ren Arbeit­ge­bers (Kli­nik, stat. Lang­zeit­pfle­ge, amb. Pfle­ge) ist es gut, dass es end­lich eine gemein­sa­me Grund­aus­bil­dung gibt, in der es nicht dar­um gehen kann, die Inhal­te aller drei alten Aus­bil­dun­gen in drei Jah­re zu pres­sen, son­dern sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was im Kern Pfle­ge aus­macht.

Ich glau­be ja, dass man in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ande­re Mög­lich­kei­ten hat, um sei­ne pfle­ge­ri­schen Kom­pe­ten­zen ein­zu­brin­gen.

Hier geht es nach mei­ner Erfah­rung um genau das, was „das Wesen der Pfle­ge“ aus­macht. Daher sind die Pfle­ge­kräf­te auch die­je­ni­gen, die aktiv in die Gestal­tung der Arbeits­ab­läu­fe ein­zu­be­zie­hen sind, denn: sie sind die Pro­fis für Pfle­ge.

Dar­um arbei­ten wir wie­der aktiv dar­an, fla­che Hier­ar­chi­en zu schaf­fen; wir för­dern Team­ar­beit und set­zen auf Fach­lich­keit und Kol­le­gia­li­tät.

Dass der Sinngehalt der Arbeit von Pflegekräften enorm hoch empfunden wird, steht außer Frage. Wie sieht es mit der Wertschätzung aus?

Micha­el Haas: His­to­risch war Pfle­ge aus Nächs­ten­lie­be, unent­gelt­lich. Aus die­ser Tra­di­ti­on kommt die Pfle­ge. Selbst­be­wusst den eige­nen Berufs­stand zu ver­tre­ten, das ist neu. Mit der Grün­dung der Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer in Nord­rhein-West­fa­len im ver­gan­ge­nen Jahr ist die Berufs­grup­pe des Pfle­ge­fach­per­so­nals einen wich­ti­gen Schritt in Rich­tung Mit- bzw. Selbst­be­stim­mung gegan­gen. Heißt, dass die­ser Berufs­stand nun auch selbst für ihre Aner­ken­nung und Wert­schät­zung in Poli­tik und Gesell­schaft aktiv wer­den kann. Die Dia­ko­nie Stif­tung Salem hat die­sen Schritt von Beginn an unter­stützt und Mit­ar­bei­ten­de ermu­tigt, sich für die Grün­dung einer Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer ein­zu­set­zen.

Wertschätzung zeigt sich auch in Bezug auf die Entlohnung. Wie zeigt sich diese Art der Wertschätzung bei der Diakonie Stiftung Salem?

Micha­el Haas: In vie­len Berei­chen bezahlt die Dia­ko­nie Stif­tung Salem deut­lich bes­ser als vie­le ande­re sozia­le Dienst­leis­ter. Wir bezah­len vor­nehm­lich nach Tarif (AVR DD) der Dia­ko­nie Westfalen/Lippe. Im Bran­chen­ver­gleich – auch zum Tarif­werk des Öffent­li­chen Diens­tes – schnei­den wir damit sehr gut ab. Unse­re Gehäl­ter blei­ben zudem immer zeit­ge­mäß, denn Tarif­an­pas­sun­gen erfol­gen kon­ti­nu­ier­lich. Zudem pro­fi­tie­ren Mit­ar­bei­ten­de von zusätz­li­chen Leis­tun­gen wie der betrieb­li­chen Alters­vor­sor­ge. Schon die tarif­li­che Alters­vor­sor­ge macht einen Zuschlag von rund 5 % des Gehalts aus und fließt in eine soli­de Ein­rich­tung, die KZVK. Dar­über hin­aus ermög­li­chen wir zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge und wei­te­re Sozi­al­leis­tun­gen. Bei unse­ren umfas­sen­den Infor­ma­tio­nen für neue Mit­ar­bei­ten­de sehen wir regel­mä­ßig leuch­ten­de Augen.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Wir haben viel über Arbeit und Veränderung gesprochen. Was wird auch in Zukunft Bestand haben?

Micha­el Haas: Unse­re Wer­te. Wir alle ste­hen für Kom­pe­tenz, Enga­ge­ment und Zuge­wandt­heit zu den Men­schen und wir haben eine gemein­sa­me Mis­si­on: Wir unter­stüt­zen Men­schen so, dass sie ein selbst­be­stimm­tes und sinn­erfüll­tes Leben füh­ren kön­nen. Men­schen, die die­se Wer­te mit uns leben möch­ten, sind jeder­zeit herz­lich will­kom­men.